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Wertebasierte Schulentwicklungsprozesse

 

Schulentwicklungsprozesse sind dann sinnvoll und nachhaltig, wenn ihnen eine Wertebasis zugrunde liegt. Die Schulfamilie muss wissen und sich darüber einig sein, was die grundsätzliche Vision davon ist, was man den Heranwachsenden mit auf den Weg geben möchte. Orientierung dabei bieten die Obersten Bildungs- und Erziehungszielefächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele sowie weitere Lehrplanausführungen.

Konkret umgesetzt werden kann dies in Form von wertebasierten Schulentwicklungsprogrammen, Leitbildern, Schulverträgen, Projektmaßnahmen und auf vielen weiteren Wegen, die in der ISB-Handreichung „Werte bildenImpulse zur wertebasierten Schulentwicklung“ ausführlich dargestellt sind. Nachfolgende Ausführungen bieten einen Überblick darüber, wie wertebasierte Schulentwicklung initiiert, umgesetzt und nachhaltig implementiert wird.

 

Neben der weltanschaulichen Neutralität, die es zu wahren gilt, hat die Schule mit einer immer heterogeneren Gesellschaft zu tun. In der Schule treffen die unterschiedlichsten Werthaltungen aufeinander – bei den Schülerinnen und Schülern, aber auch bei den Lehrkräften. Umso herausfordernder ist es,  eine gemeinsame Wertebasis auszuhandeln und die erwünschten Werthaltungen über Einsicht, Gespräche und Einüben zu erzeugen.  

Darum braucht es eine wertebasierte Schulentwicklung, um Werte im Dialog ausbilden zu können und einen gemeinsamen Wertekonsens herzustellen und umzusetzen – ein Prozess, der immer wieder reflektiert und erneuert werden muss.

Demokratische Prozesse mit allen Beteiligten sind dafür ebenso unersetzbar wie gemeinsames Handeln aller in der Schule Verantwortlichen.

 

Werteorientierte Schulentwicklungsprozesse werden oft durch konkrete Ausgangssituationen oder Anlässe eingeleitet:  

Interne oder externe Evaluation

Alltagssituationen wie Mobbing oder Vandalismus

Teilnahme an institutionalisierten Konzepten wie beispielsweise „Schule ohne Rassismus Schule mit Courage

Politische Herausforderungen: Demokratieerziehung, Multikulturalismus, Digitalisierung

Personalentwicklung und -organisation (Fortbildungen, Zusatzqualifikationen, neue Kolleginnen und Kollegen), um neue Ideen und Anregungen zu implementieren

Unabhängig von solchen Anlässen sollte sich grundsätzlich jede Schule Zeit nehmen und sich das eigene Wertefundament bewusst machen, um bei der Schulentwicklung voranzukommen. Denn wer keine feste und klar definierte Basis hat, kann auch keine Ziele formulieren und erreichen.

Wertebasierte Schulentwicklung lebt von einer Potenzialentfaltungskultur. Hier ist gerade die Schulleitung enorm gefordert. Denn es muss eine Schulkultur entstehen, in der eine Fokussierung auf Stärke und Verantwortung geschieht, in der Entwicklung, Beziehung und Anerkennung erlebbar werden. Nur so können Erfahrungsräume an der Schule geschaffen werden, die Voraussetzung für gelingende Wertebildung sind. Konkret heißt das: Lehrkräfte müssen organisatorisch dazu befähigt werden, Werteerziehung  gemeinsam im Team realisieren zu können – mit den Kolleginnen und Kollegen und mit der Schülerschaft. Dazu bedarf es eines (Minimal-)Konsenses und der entsprechenden Strukturen, in denen Wertebildung vernetzt und fokussiert, aber auch wahrnehmbar wird – für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler! Ob dies in Form eines Schulentwicklungsprogramms, eines Leitbildes, von Schul- oder Klassenverträgen, Schülerprojekten oder mit Hilfe anderer „Werkzeuge“ geschieht, ist von Schule zu Schule unterschiedlich und hängt von allen Beteiligten ab. Viele Beispiele in diesem Portal zeigen, wie dies in der Praxis gelingen kann und wie vielfältig mögliche Maßnahmen sein können.

Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, Werteerziehung gemeinsam mit der ersten Werteinstanz im Leben von Kindern zu gestalten – mit den Eltern. Das gelingt  auf der Basis von einem guten KESCH-Konzept. Werte, wie sie im Elternhaus und in der Schule vermittelt werden, können konträr oder konkurrierend sein. Deshalb muss eine Verständigung über den Umgang mit dieser Situation stattfinden – zumal laut Art. 6 GG die Erziehung der Kinder „natürliches Recht und die ihnen zuvörderst obliegende Pflicht“ der Eltern ist. Der Erziehungsauftrag der Schule gelingt nur mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf Augenhöhe.  

Der Prozess der Aneignung von Werten erfolgt grundsätzlich in vier Stufen:

1. Wahrnehmen: Ich sehe, wie etwas „geht“ – Vorbilder im Verhalten sind wichtig!

2. Bewerten: Ich finde etwas gut oder schlecht – oft steckt dahinter ein Vergleich mit einer (Peer-)Gruppe!

3. Urteilen: Ich kenne Maßstäbe für Verhalten und ordne die neue Haltung ein – ein Vergleich mit bekannten Regeln findet statt.

4. Handeln: Ich verhalte mich auf eine bestimmte Art und Weise – je nach Alter und Entwicklungsstand sind die (Peer-)Gruppe, mein Gewissen oder andere Einflussfaktoren der Maßstab.

Häufig wird von Kindern erwartet, Regeln oder Verhaltensweisen einfach zu übernehmen, ohne die einzelnen Stufen durchlaufen zu haben. Das kann kaum gelingen und führt zu Frustration.

Das bedeutet: Ein „Werteprozess“ braucht Raum und Zeit! Wertebildung braucht Erfahrungsräume, in denen Werte  im Alltag  gelebt und umgesetzt werden können. Über persönliche Erfahrungen, Wiederholungen von Verhaltensweisen und eindeutige Reaktionen, Routinen und Regeln in den unterschiedlichen Abläufen in der Schule werden Werte kontinuierlich gelernt und verinnerlicht. Vorbild-Ansätze sind dabei besonders erfolgsversprechend.

Mögliche Maßnahmen (z. B. Service Learning, Werteprojekte, abgestimmte Unterrichtsvorhaben; vgl. gute Beispiele in diesem Portal) müssen im Schulentwicklungsprozess immer wieder implementiert werden und sollten Eingang in das Konzept der Schule finden.

Hier finden Sie exemplarisch einige mögliche Maßnahmen, die Unterstützung in der Werteerziehung bieten können:

- Schulregeln, Schulvereinbarungen, Schulvertrag,

- schulinterne Fortbildungen zum Thema „Vorbild der Lehrkraft

- Arbeit der SMV oder im Schulforum

- Jahresthemen für die Schule (z. B. Respekt)

- Wertewochen oder -tage

Mehr als 80 mögliche Maßnahmen werden in der Handreichung „Werte bilden“ auf den Seiten 61 bis 76 präsentiert.

Die nachhaltige Gestaltung von Schulentwicklungsprozessen erfordert Zeit, Planung und ggf. auch externe Prozessbegleitung (z.B. Schulentwicklungsmoderatoren). Wie in allen Schulentwicklungsprozessen müssen auch Ziele und Maßnahmen im Bereich der Wertebildung im Sinne eines Deming-Kreises (Plan – Do – Check – Act) regelmäßig überprüft und angepasst werden. Folgende Aspekte tragen dabei zur Nachhaltigkeit bei:

Werteorientierte Vision und werteorientiertes Leitbild entwickeln: Wie soll unsere Schule sein? (konkrete Tipps zur praktischen Umsetzung mit einem Ablaufschema gibt es in der Handreichung „Werte bilden“ auf den Seiten 34 und 35)

Aktive Zustimmung von Kollegium und Schulleitung im Prozessverlauf einholen (Methoden: Umfragen, moderierte pädagogische Tage, Personalgruppengespräche

Prozesshaftigkeit betonen und beachten

Ziele und Maßnahmen langfristig anlegen (Tipps finden Sie im Leitfaden Schulentwicklungsprogramm)

Steuergruppe der jeweiligen Schule frühzeitig einbinden und Implementierungsstrategien festlegen (Werte-AG, institutionalisierte/wiederkehrende Projekte, fächerübergreifende Projekte unter Einbindung vieler Fachschaften)

Zeitressourcen bewusst machen, einfordern und nutzen!