Werte und KI
KI kann kritisches Denken und personalisiertes Lernen unterstützen, bleibt aber Werkzeug: Für die eigentliche Werte- und Charakterbildung sind menschliche Beziehungen und pädagogische Kultur unverzichtbar.
„Dank KI müssen wir uns wieder mehr auf unsere Menschlichkeit besinnen.“
(S. Zilch im Gespräch, April 2026)
Um KI-Anwendungen souverän, sicher und reflektiert zu nutzen, müssen wir über eine reine „Tool-Kompetenz“ hinausgehen. Wir benötigen ein fundiertes Verständnis der Konzepte und Methoden, die den Technologien zugrunde liegen. Nur wer versteht, wie KI funktioniert, kann die Ergebnisse sinnvoll einordnen, einer unzulässigen Anthropomorphisierung (der Vermenschlichung der Technik) entgegenwirken und ein gesundes Maß an Vertrauen – eine sinnvolle Kalibrierung – aufbauen. „Lernen über KI“ ist dabei die zwingende Voraussetzung, um „Lernen mit KI“ erfolgreich zu gestalten.
Grundlegende Begriffe
In der Wissenschaft gibt es keine einheitliche Auffassung davon, wie Künstliche Intelligenz zu definieren ist. Folgende Ansätze erweisen sich als hilfreich (Textinhalte übernommen aus: ISB (2026): Formulierungs- und Darstellungshilfen im Kontext Künstlicher Intelligenz KI, S.8).
Starke und schwache KI-Hypothese:
„Die Behauptung, dass Maschinen agieren könnten, als ob sie intelligent wären, nennen Philosophen die schwache KI-Hypothese, und die Behauptung, dass Maschinen, die das tun, wirklich denken (und nicht einfach Denken simulieren) die starke KI-Hypothese“ (Russell & Norvig, 2012: Künstliche Intelligenz. München: Person, S. 1176).
Künstliche Intelligenz kann als (neueres) Gebiet in Wissenschaft und Forschung sowie als Teilgebiet der Informatik mit vielen interdisziplinären Bezügen aufgefasst werden. Eine gängige Vorstellung von KI ist, dass es sich um Systeme handelt, die in der Lage sind, Aufgaben auszuführen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern.
Siehe: ISB: Was ist Künstliche Intelligenz? Verfügbar unter: https://mebis.bycs.de/beitrag/ki-was-ist-ki#sec2
Ein KI-System ist die technische Komponente, die mithilfe von Algorithmen und Daten Aufgaben ausführt, zum Beispiel Sprache verarbeitet, Bilder erkennt, Empfehlungen gibt oder Texte erzeugt.
Beispiel:
Ein KI-System zur Texterzeugung verarbeitet eine eingegebene Aufgabenstellung, etwa „Erkläre den Wasserkreislauf für eine 4. Klasse“, und erzeugt daraus einen passenden Erklärungstext.
Eine KI-Anwendung ist ein konkretes digitales Werkzeug, das ein KI-System nutzt und von Menschen für bestimmte Zwecke verwendet wird, zum Beispiel zum Schreiben, Übersetzen, Üben oder Auswerten.
Beispiel:
Ein Chatbot, mit dem Schülerinnen und Schüler Formulierungsvorschläge für eine Bewerbung erhalten und diese anschließend selbst prüfen und überarbeiten.
Damit wir uns in der Komplexität der digitalen Welt nicht verlieren, dient das Dagstuhl-Dreieck als essenzielles Rahmenmodell. Es hilft uns, Bildung in der digitalen Welt ganzheitlich zu denken, indem es drei Perspektiven untrennbar miteinander verbindet: Die technologisch-mediale Perspektive fokussiert das Verständnis für die Funktionsweisen digitaler Systeme; die gesellschaftlich-kulturelle Perspektive beleuchtet deren Einfluss auf unsere Kultur und Gesellschaft, während die Interaktionsperspektive die wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Maschine in den Blick nimmt.
Durch dieses Modell wird deutlich, dass eine fundierte Medienbildung weit über die bloße Bedienung von Geräten hinausgeht, sondern stets die kritische Reflexion und die gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt stellt.
Das Dagstuhl-Dreieck differenziert somit drei Perspektiven, die für eine nachhaltige und umfassende Bildung über den digitalen Wandel relevant sind:
- Technologisch-mediale Perspektive: Wie funktionieren digitale Systeme und welche Möglichkeiten bieten sie?
- Gesellschaftlich-kulturelle Perspektive: Wie verändern digitale Systeme unsere Gesellschaft und unsere Kultur?
- Interaktionsperspektive: Wie interagieren wir mit digitalen Systemen und welche Wirkungen hat das auf uns?
Ausführliche Informationen zum Dagstuhl-Dreieck finden Sie z. B. unter:
- KI als Thema für die Schule, digitales Magazin, verfügbar unter: https://mebis.bycs.de/beitrag/ki-thema-fuer-schule
- Das Dagstuhl-Dreieck, verfügbar unter: https://dagstuhl.gi.de/
Vertiefte Einblicke rund um das Thema KI bieten zahlreiche (multi)mediale Angebote sowie Veröffentlichungen, hier eine kleine Auswahl.
Die folgenden Podcasts bieten fundierte Einblicke in unterschiedliche Aspekte Künstlicher Intelligenz – von gesellschaftlichen Auswirkungen über technische Grundlagen bis hin zu ethischen Fragestellungen:
- Der KI-Podcast (ARD): Dieser Podcast erläutert anschaulich die Funktionsweise aktueller KI-Systeme und diskutiert deren Chancen und Herausforderungen in verschiedenen Lebensbereichen.
- Podcast - KI verstehen (Deutschlandfunk): In dieser Reihe werden grundlegende Konzepte der Künstlichen Intelligenz verständlich aufbereitet und ihre Relevanz für den gesellschaftlichen Wandel kritisch eingeordnet.
- Kompass KI (podcast.de): Dieser Podcast dient als Orientierungshilfe in der schnelllebigen Welt von KI und beleuchtet aktuelle Entwicklungen sowie deren konkrete Auswirkungen auf Wirtschaft und Alltag.
- Markus Gabriel: Ethik der KI (WDR): Der Philosoph Markus Gabriel widmet sich den ethischen Dimensionen von KI und geht der Frage nach, wie wir als Gesellschaft moralische Leitplanken für die Technologie von morgen setzen können.
- Servus KI! Forschungspodcast: Hier erhalten Sie Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Projekte rund um Künstliche Intelligenz, oft mit einem Blick auf die Entwicklungen im deutschsprachigen Raum.
- Prof. Dr. Alke Martens: Diese Veröffentlichung beleuchtet die Schnittstelle von KI, Ethik und Bildung und bietet wertvolle Perspektiven für die Gestaltung einer digital gestützten Lernumwelt; verfügbar unter: https://www.alkemartens.com/
Weiterführende Informationen/Literaturhinweise:
- Orientierungsrahmen des StMUK zum Thema Künstliche Intelligenz in Schule und Unterricht (Link): Bietet den verbindlichen bayerischen Rahmen und Handlungsempfehlungen für den Einsatz von KI an Schulen.
- Prof. Dr. Ute Schmid: Lehrstuhl für Kognitive Systeme an der Universität Bamberg; bietet fundierte wissenschaftliche Einblicke in die Grundlagen kognitiver Systeme und deren Anwendungsmöglichkeiten im Bildungskontext; aufrufbar unter: https://www.uni-bamberg.de/kogsys/team/schmid-ute/
- Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung: Eine Zusammenstellung praxisnaher Fortbildungsangebote und Materialien, die speziell auf die Anforderungen im schulischen Alltag ausgerichtet sind findet sich unter: Künstliche Intelligenz in Schule und Unterricht.
- Deutscher Ethikrat (2023): Mensch und Maschine - Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz. Stellungnahme. Analysiert in einer ausführlichen Stellungnahme die ethischen Herausforderungen und gesellschaftlichen Folgen beim Einsatz von KI, verfügbar unter folgendem Link: https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/stellungnahme-mensch-und-maschine.pdf.
- Deutschlandfunk (2025): KI und Werte. Die Verbesserung der Welt durch die Hintertür der Technik (Link). Dieser Beitrag reflektiert kritisch, wie technische Innovationen unsere ethischen Vorstellungen und gesellschaftlichen Normen beeinflussen.
- Die UNESCO-Empfehlung zur Ethik der KI. Der erste global gültige Völkerrechtstext zur Ethik Künstlicher Intelligenz. Beitrag verfügbar unter folgendem Link. Ein internationaler Referenztext, der globale Standards für eine menschenrechtsorientierte und ethisch verantwortungsvolle Entwicklung von KI setzt.
- Gerholz, K.-H. (2024). Künstliche Intelligenz – Didaktische Funktionen und Einsatzszenarien im Kontext der beruflichen Bildung. berufsbildung 78. Jg./H. 203, 31-35. Siehe auch Homepage Prof. Gerholz - Universität Bamberg. Erläutert spezifische didaktische Funktionen und konkrete Einsatzszenarien für die Gestaltung zukunftsorientierter Lernprozesse in beruflichen Schulen.
- Himpsl, F./v. Gehlen, D. (2025): Wie KI dein Leben besser macht. 50 Denkanstöße für einen entspannteren Alltag. Kösel. Interview mit D. v. Gehlen siehe: Beitrag NDR-Kultur. Ein praxisorientierter Ratgeber mit 50 Impulsen, die helfen, die Potenziale von KI für einen entspannteren Alltag zu nutzen. Mit Einblicken des SZ-Journalisten D. v. Gehlen.
- Vodafone-Stiftung (2024): Pioniere des Wandels. Wie Schüler:innen KI im Unterricht nutzen möchten. (Link zur Jugendstudie) Eine aufschlussreiche Jugendstudie, die untersucht, welche Erwartungen und Wünsche Schülerinnen und Schüler an den Einsatz von KI im Unterricht haben.
Ethische Orientierung
KI-Modelle so zu programmieren, dass sie mit menschlichen Werten und Absichten übereinstimmen, ist eine wesentliche Herausforderung. Es herrschen gesellschaftliche Diskussionen, was eine gerechte und neutrale KI ausmacht.
Qualitative Datengrundlagen verhindern die Übernahme problematischer Ansichten und beleidigender oder diskriminierender Inhalte.
Europäische Werte sollen durch die KI-Verordnung geschützt werden. Die Basis, um den menschlichen Anforderungen gerecht zu werden, bilden Werte wie Fairness, Transparenz, Sicherheit einhergehend mit dem Datenschutz.
Spannungsfelder wie Effizienz und Sicherheit oder Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit sind oft die Wertekonflikte der Entwickler, die bei der Programmierung mitbedacht werden müssen.
Beispiele für eine werteorientierte Sprache im Kontext von KI
Die folgenden Definitionen sind übernommen aus: ISB (2026): Formulierungs- und Darstellungshilfen im Kontext Künstlicher Intelligenz KI, S.8). Die Beispiele wurden neu ergänzt.
Verwenden Sie Begriffe wie „Künstliche Intelligenz“, „KI-System“, „KI-basierte Anwendung“ etc. fach- und sachgemäß
Beispiele:
„Die KI schreibt den Text“
- Besser: „Eine KI-basierte Anwendung erzeugt mithilfe eines KI-Systems einen Textvorschlag, der anschließend geprüft und überarbeitet werden muss.“
- Erklärung: Die Verantwortung für Auswahl, Prüfung und Nutzung des Ergebnisses bleibt beim Menschen.
„Fragt doch einmal die Künstliche Intelligenz, welches Haustier am besten zu euch passt.“
- Besser: „Nutzt eine KI-Anwendung, um Vorschläge für ein passendes Haustier zu erhalten. Vergleicht die Vorschläge anschließend mit eurem eigenen Wissen: Was passt gut zu euch? Was stimmt vielleicht nicht oder fehlt?“
- Erklärung: „Die Künstliche Intelligenz“ klingt so, als gäbe es eine einzelne denkende Instanz. Das ist nicht so. Authentizität kann mit KI nicht gewährleistet werden. Auch schafft KI nicht eine Identifikation mit sich selbst – sie kennt einen Menschen nicht.“
„Lasst die KI euren Lebenslauf schreiben und gebt ihn ab.“
- Besser: „Verwendet ein KI-System zur Textgenerierung, um Formulierungsvorschläge für einzelne Abschnitte eures Lebenslaufs zu erhalten. Überarbeitet die Vorschläge selbstständig, prüft sie auf Richtigkeit und entscheidet, welche Formulierungen ihr übernehmen möchtet. Kennzeichnet kurz, wobei euch das KI-System unterstützt hat.“
- Erklärung: Ein KI-System kann unterstützen, der Mensch prüft, überarbeitet und verantwortet das Ergebnis. Der Auftrag ist daher am Anfang problematisch, weil unklar bleibt, welches Werkzeug verwendet wird und welche Eigenleistung, auch im Sinne von Kreativität, erwartet wird. Außerdem wird die Verantwortung für den Text an „die KI“ abgegeben.
„Diskutieren Sie, ob KI intelligenter ist als der Mensch.“
- Besser: „Analysieren Sie an einem konkreten KI-System oder einer KI-basierten Anwendung, z. B. einem Sprachmodell oder Bilderkennungssystem, welche Aufgaben es besonders gut lösen kann und wo seine Grenzen liegen. Beziehen Sie dabei Aspekte wie Datenabhängigkeit, Fehleranfälligkeit, fehlendes Weltverständnis und menschliche Verantwortung ein.“
- Erklärung: Die Formulierung ist sehr allgemein und fachlich unscharf. „KI“ bezeichnet ein Forschungs- und Technologiefeld, nicht ein einzelnes Wesen. Außerdem müsste geklärt werden, welche Art von Intelligenz gemeint ist. Offenheit, Respekt, Verantwortung, Empathie, Selbstbestimmung – in dieser Aufgabenstellung kann über verschiedene Werte diskutiert werden, die keine KI besitzt, aber die einen Menschen prägen.
Auch Zählbarkeit spielt im Kontext von Fachsprache eine Rolle:
Der Begriff Künstliche Intelligenz sollte nicht als zählbares Nomen („eine KI“, „zwei KI“) verwendet werden. KI ist ein wissenschaftliches Fachgebiet, das eine Vielzahl von Konzepten, Fragestellungen und Methoden zur Lösung spezifischer Probleme umfasst (Elements of AI – Wie soll KI definiert werden?, 2022).
Beispiel: „Verwende eine KI zur Erstellung der Überarbeitung des Aufsatzes.“
Besser: „Verwende ein KI-System für die Erstellung der Überarbeitung des Aufsatzes.“
Betrachten Sie das KI-System als Maschine. Es ist kein Mensch. Es denkt nicht, es fühlt nicht, es versteht nichts. Es hat kein Bewusstsein und kein inneres Erleben. Es simuliert lediglich Denken, Fühlen und Verstehen. Die gewählten Formulierungen bringen im Idealfall diesen Sachverhalt zum Ausdruck.
Beispiele:
„Die KI versteht mich.“
- Besser: „Das KI-System simuliert Verstehen“
oder „Das KI-System verarbeitet meine Eingaben und erzeugt eine passende Antwort. Es kann Verstehen simulieren, besitzt aber kein eigenes Bewusstsein und keine echten Gefühle“
oder
„Das KI-System erkennt Muster in meinen Eingaben und reagiert darauf. Es wirkt so, als würde es mich verstehen, tatsächlich simuliert es Verstehen.“ - Erklärung: Die anfängliche Formulierung ist problematisch. Ein KI-System hat keine menschlichen Fähigkeiten. Es hat kein echtes Mitgefühl, keine eigenen Erfahrungen, kein Bewusstsein, es ist nicht umfassend ehrlich und kann auch keine Freundschaft bieten.
„Der Chatbot erinnert sich bei meiner Unterhaltung an meine vorherigen Antworten.“
- Besser: „Der Chatbot berücksichtigt bei Antworten den bisherigen Verlauf der aktuellen Unterhaltung innerhalb eines begrenzten Kontextfensters.“
- Erklärung: Ein KI-System kann Sprache analysieren, Muster erkennen, passende Antworten erzeugen und diese abspeichern. Aber er kennt nicht die Gefühlslage, in der geschrieben wurde, er hat keine Erfahrung, kein Bewusstsein, kein Mitgefühl, ist nicht umfassend ehrlich und übernimmt in keinem Fall eine Verantwortung.
Seien Sie sich der Wirkung Ihrer Sprache bewusst. Überlegen Sie, was genau Sie ausdrücken wollen, und wählen Sie dafür eine Sprache (in Text und Bild), die diesem Ziel entspricht.
Darstellung in Texten:
„Der Einsatz von KI garantiert ein hochwertiges Ergebnis.“
- Besser: „Der Einsatz eines KI-Systems kann – eine skeptische Prüfung durch die Nutzenden vorausgesetzt – ein für den Anwendungsfall geeignetes Ergebnis liefern.“
- Erklärung: Hier wird Wahrheit/Vollständigkeit suggeriert. Aber es können beim Einsatz von KI-Systemen immer Bias unterlaufen, es gibt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Korrektheit.
„Die Gedichtinterpretation zu Heines „Die Beruhigung“ kann zu 100 % korrekt von der KI geschrieben werden.“
- Besser: „Eine KI-basierte Anwendung kann einen Entwurf oder Formulierungsvorschläge für eine Gedichtinterpretation zu Heines “Die Beruhigung” liefern. Das Ergebnis muss jedoch fachlich geprüft, mit dem Gedichttext abgeglichen, kritisch überarbeitet und durch eigene Deutungen ergänzt werden.“
Oder kompakter:
„Ein KI-System kann bei der Vorbereitung einer Gedichtinterpretation unterstützen, garantiert aber keine vollständige oder fehlerfreie Interpretation. Die Verantwortung für Textverständnis, Begründung und Bewertung liegt bei den Nutzenden.“ -
Erklärung: Die ursprüngliche Formulierung suggeriert, dass eine von KI erzeugte Gedichtinterpretation vollständig, eindeutig und zu 100 % korrekt sein könne. Das ist problematisch, weil literarische Interpretationen immer auf begründeten Deutungen beruhen und nicht einfach eine einzige objektiv richtige Lösung haben. Ein KI-System kann zwar sprachlich überzeugende Texte erzeugen, dabei aber: Textstellen falsch deuten, Aussagen erfinden oder überinterpretieren, historische oder biografische Zusammenhänge ungenau darstellen, wichtige Aspekte des Gedichts auslassen, scheinbar sichere Behauptungen formulieren, obwohl sie nicht belegt sind, gängige Deutungsmuster übernehmen und dadurch einseitig oder verzerrt argumentieren.
Gerade bei einer Gedichtinterpretation ist deshalb entscheidend, dass Schülerinnen und Schüler die Aussagen des KI-Systems am Primärtext überprüfen und eigene Schlussfolgerungen entwickeln.Bei diesem Beispiel spielen mehrere Werte eine wichtige Rolle:
Wahrheit: Aussagen über das Gedicht müssen am Text belegt und auf ihre Richtigkeit geprüft werden.
Ehrlichkeit: Es muss transparent sein, ob und wie eine KI-basierte Anwendung zur Unterstützung genutzt wurde.
Verantwortung: Die Schülerin oder der Schüler bleibt verantwortlich für die eigene Interpretation und darf KI-Ausgaben nicht ungeprüft übernehmen.
Selbstständigkeit: Literarisches Verstehen entsteht durch eigenes Lesen, Nachdenken, Begründen und Überarbeiten.
Urteilsfähigkeit: Schülerinnen und Schüler sollen lernen, KI-generierte Deutungen kritisch zu bewerten und nicht mit gesichertem Wissen zu verwechseln.
Offenheit: Unterschiedliche Deutungen sind möglich, müssen aber nachvollziehbar und textbezogen begründet werden.
Darstellung in Bildern:
Wenn Illustrationen zu KI-Themen Assoziationen hervorrufen, die falsche Vorstellungen oder Erwartungen erzeugen, Ängste schüren, menschliche Interessen hinter der KI-Entwicklung verschleiern, Stereotypen verstärken oder irreführende kulturelle Klischees verbreiten, dann wird das problematisch!
Das Projekt Better Images of AI hat es sich zur Aufgabe gemacht in einer frei zugänglichen Online-Datenbank Visualisierungen zur Verfügung zur Verfügung zu stellen, die unterschiedliche Aspekte der Künstlichen Intelligenz und ihrer Nutzung darstellen.
Vier Auswahlkriterien (Dihal & Duarte, 2023, S. 9) werden genannt:
- Ehrlichkeit/Wahrheitsgehalt: Zeigt das Bild, was das KI-System bzw. die KI-Anwendung tatsächlich leisten kann, und nichts weiter?
- Menschlichkeit: Zeigt das Bild, dass KI-Systeme bzw. KI-Anwendungen von Menschen für Menschen geschaffen wurden?
- Notwendigkeit: Muss ein Bild gezeigt werden, das ein Thema mit KI-Bezug darstellt oder geht es vordergründig um ein anderes Thema?
- Spezifität: Welche Art von KI-Technologie oder welches Thema mit KI-Bezug genau soll dargestellt werden?
Hintergrundinformationen siehe:
Better Images of AI: Hintergründe und Ressorcen. Abrufbar unter: https://www.wissenschaftskommunikation.de/better-images-of-ai-hintergruende-und-ressourcen-83757/
Setzen Sie kein übermäßiges bzw. blindes Vertrauen in ein KI-System oder ein System mit KI-Funktionalität. Es kann keine Verantwortung übernehmen – Ausgaben sind (unter Umständen) fehlerbehaftet. Sie selbst sind in der Verantwortung.
„Der Chatbot hat keine Meinung, er berät mich neutral.“
Besser: „Die Antworten des Chatbots können nützlich sein, müssen aber als perspektivisch und potenziell verzerrt verstanden werden und durch gängige Quellen überprüft werden“
„Lass dir doch vom Chatbot einen Plan erstellen, wie du deine psychischen Probleme lösen kannst.“
Besser: „Recherchiere mithilfe eines KI-basierten Chatbots allgemeine Möglichkeiten, wo Jugendliche bei psychischer Belastung Unterstützung finden können. Überprüfe die Vorschläge anschließend anhand verlässlicher Quellen, z. B. schulischer Beratungsangebote, offizieller Beratungsstellen. Der Chatbot ersetzt keine professionelle Beratung.“
Oder
„Du kannst einen KI-basierten Chatbot nutzen, um allgemeine Informationen zu Unterstützungsangeboten bei psychischer Belastung zu sammeln. Die Antworten müssen jedoch kritisch geprüft werden. Wenn es dir psychisch schlecht geht, wende dich an eine vertraute erwachsene Person, die Beratungslehrkräfte, Schulpsychologinnen oder Schulpsychologen oder an professionelle Beratungsstellen.“
Erklärung: Ein KI-basierter Chatbot kann zwar allgemeine Hinweise geben, aber er kann niemals eine psychische Diagnose stellen, keine persönliche Beratung durch Fachkräfte ersetzen und die individuelle Situation einer Schülerin oder eines Schülers nicht zuverlässig einschätzen.
Bei diesem Beispiel spielen z. B. diese Werte eine wichtige Rolle:
Sicherheit: Bei psychischen Belastungen dürfen sich Schülerinnen und Schüler nicht allein auf KI-generierte Antworten verlassen.
Verantwortung: Lehrkräfte sollten klar machen, dass KI-Systeme keine Fachkräfte ersetzen.
Selbstbestimmung: Schülerinnen und Schüler sollen informiert entscheiden, welche Hilfe sie annehmen.
Ehrlichkeit: Ein Chatbot wirkt manchmal sicher oder empathisch, kann aber falsche, verzerrte oder ungeeignete Empfehlungen geben.
Fürsorge und Gemeinschaft: In schwierigen Situationen sind echte Menschen und professionelle Unterstützungsstrukturen wichtig.
Materialien für die Schule
Aktuelle technologische Entwicklungen und Themen stellen uns im Kontext von Bildung und Schule vor immer neue Herausforderungen. Im Alltag geht es häufig um schnelle Umsetzung, um konkrete Ausstattung und um Praktikabilität; oftmals fehlt uns die Zeit, uns erst einmal selbst zu einer Fragestellung zu verhalten und unsere eigene Einstellung zu reflektieren. Der Themenkomplex Künstliche Intelligenz vereint dabei besonders viele aushandlungsbedürftige Fragestellungen. Gerade die Schnelligkeit und die Komplexität der Veränderung in diesem Bereich machen es erforderlich, dass wir uns allgemein klar werden über unsere auf KI gerichteten Wertvorstellungen, um so in unserem beruflichen Umfeld nicht nur handlungsfähig zu sein, sondern uns auch ethisch reflektiert positionieren zu können.
Der Selbstreflexionsbogen versteht sich als Einladung zum Innehalten, zur individuellen Standortbestimmung, zur kritischen Auseinandersetzung – über den eigenen Umgang mit KI als Lehrperson, nicht bezogen auf die Perspektive der Lernenden.
Das vorliegende Kartenset lädt ein zum Dialog über unseren Umgang mit KI-Anwendungen. Ziel ist es, das eigene Nutzungsverhalten sowie die zugrunde liegenden Werthaltungen transparent zu machen und zu hinterfragen. Es bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in die ethische Reflexion digitaler Lebenswelten.
Uns begegnen überall in unserer Lebenswelt KI-generierte Bilder, sowohl in den Sozialen Medien, aber auch in der Alltagswelt (z. B. auf Fortbildungen, bei Unterrichtsmaterial). Die Unterrichtseinheit, die beispielsweise im Rahmen des Kunst- oder IT-Unterricht der Sekundarstufe I durchgeführt werden kann, hinterfragt, ob von KI-Systemen erstellte Bilder als kreativ bezeichnet werden können.
Die vorliegenden Materialien zeigen, wie der Wert Kreativität im Spannungsfeld zwischen Mensch und KI-System im Unterricht der Sekundarstufe I z. B. im Rahmen des Kunst- oder IT-Unterrichts thematisiert werden kann. Einerseits wird beabsichtigt, praktische Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern aufzubauen (z. B. sinnvolles Formulieren eines Prompts), andererseits steht jedoch im Fokus, mit den Jugendlichen über die Vielzahl der KI-generierten Bilder ins Gespräch zu kommen, die mittlerweile unser Leben prägen: Kann ein KI-System kreativ sein? Und was bedeutet der Erfolg von KI-Systemen für Menschen, die (u. a. auch beruflich) kreativ sind?
Für die moderne Biologie gehört eine KI-gestützte Datenanalyse (z. B. AlphaFold, digitale Bilderkennung) inzwischen mit zum Alltag. Doch diese Systeme sind nicht neutral – sie basieren auf Daten, die menschliche Vorurteile (Bias) enthalten können. Die Unterrichtseinheit sensibilisiert Schülerinnen und Schüler der Oberstufe dafür, KI-gestützte Forschungsergebnisse kritisch zu hinterfragen, Chancen für die Wissenschaft zu erkennen und ethische Kriterien für den verantwortungsvollen Umgang mit KI im Unterricht zu definieren.
- Unterrichtsstunde (PDF)
- Arbeitsblatt 1 (editierbar), Arbeitsblatt 2 (editierbar)